St. Nikolaus, Altheim
Alt
oder neu, Kleinod oder Kulturdenkmal. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart
ist reich an sehenswerten Kirchen. Das Bischöfliche Bauamt der Diözese
stellt jeden Monat eine Kirche vor.
St. Nikolaus, Altheim
Gemeinschaft und Offenheit für den anderen werden
in dem kleinen oberschwäbischen Ort Altheim groß geschrieben. Deshalb
ist es nur selbstverständlich, dass die Altheimer eine Kirche haben,
die dieses Lebensgefühl aufgreift.
Wer die St.-Nikolaus-Kirche betritt, dem fällt die
Offenheit des für den 600 Einwohner zählenden Ort großen Gotteshauses
auf. Hier ist nichts versteckt oder bedeckt – hier gibt es keine „toten
Winkel“. Der offene Innenraum lädt den Besucher ein, in der Kirche zu
verweilen.
Der Pfarrer der Kirchengemeinde St. Nikolaus, Pater
Alfred Tönnis, schätzt an seinen Altheimern das besondere
Gemeinschaftsgefühl, das die Gemeinde so lebendig hält. „Die Altheimer
sind offen für Veränderungen“, sagt der Seelsorger. Nicht nur mit dem
neuen Pastoralteam hat sich die Gemeinde angefreundet, sondern auch der
Kirchenraum erscheint seit zwei Jahren in einem neuen Licht.
Verfolgt man die Geschichte des oberschwäbischen
Ortes, so stellt man schnell fest, dass der Mut zum Wandel bei den
Altheimern tief verwurzelt ist
Dass die Kirche in Altheim im Dekanat Biberach dem
Heiligen Nikolaus geweiht ist, ist für Oberschwaben nichts
Außergewöhnliches. Ganze zwölf Kirchen in dieser Region sind dem
Bischof aus Myra geweiht. Beeindruckend und herausragend an der
Altheimer Kirche sind aber die lange Tradition des Ortes und die
baugeschichtliche Entstehung dieses sakralen Kleinods.
Als fränkische Wehrsiedlung entstanden wird der
Altheim 851 erstmals schriftlich erwähnt. Wohl um die in dieser Region
lebenden störrischen Alemannen zu domestizieren, hatten die Franken
diesen Ort errichtet. Viele Jahrhunderte später, im Jahr 1621, kaufte
das Kloster Salem das gesamte Dorf. Und so bekamen die Altheimer
Christen eine kleine Kapelle zugesprochen. Die Kapelle wurde vom
Pfarrer aus dem benachbarten Ort Schemmenberg mitbetreut. Als Lohn für
das Lesen der Messe erhielt er eine Zehrung im Altheimer Gasthaus „zum
Hirsch“.
1820 wurde die Kapelle wegen Baufälligkeit
abgerissen. Ein Jahr später wurde die Errichtung einer Pfarrei in
Altheim beschlossen. Nun erhielt Altheim ein Kirchlein, das der erste
Bischof der neu gegründeten Diözese Rottenburg, Johan Baptist Keller,
1829 einweihte.
In Erinnerung an die Weihe brachten die Altheimer
im Chorraum ein Fenster an, das den Patron der Diözese, den heiligen
Martinus, darstellt.
In den Jahren 1909/1910 wurde die Kirche nach
Plänen des aus Altheim stammenden Architekten Josef Cades noch einmal
umgebaut. Querschiff und Chorraum werden hinzugefügt. Die Kunstmaler
Hermann Siebenrock und Fritz Heinzler gestalten die Ausmalung der
Kirche. Das Querschiff ziert nun ein Abendmahlbild und das Längsschiff,
die Darstellung der vier westlichen Kirchenväter. Allerdings werden
später sämtliche Wandfresken, sowie Chorbogen und Chorraum weiß
getüncht. 2003/2004 wurde die Kirche nochmals renoviert. Nun konnten
die Bänder und die Linierung, die die Deckenbilder fassten, wieder
freigelegt werden.
Bei der Ausgestaltung im Innern blieben die
neugotischen Seitenaltäre und die Kanzel von Josef Winter aus Biberach
aus dem Jahr 1865 erhalten. Die Ausstattung des Chorraumes mit Altar
und Chorgestühl stammen in Ihrer reduzierten Form aus dem 20.
Jahrhundert. und werden der Werkstätte Schnell, Ravensburg,
zugeschrieben. Florale Ornamentik findet sich an den Doggen der
Kirchenbänke und deutet auf den Jugendstil hin. Ebenfalls vom
Jugendstil beeinflusst sind die von Franz Xaver Zeller geschaffenen
Fenster.
Bei der Durchführung der Sanierung bot sich nun die
Gelegenheit einen Volksaltar zu realisieren. Man entschloss sich jedoch
den Chorraum lediglich durch einen Altar und Ambo zu ergänzen, um den
Raumeindruck des Gebäudes nicht zu verändern.
Der Kirchengemeinderat von Altheim beauftragte
Michaela Fischer aus Auenstein/ Ilsfeld mit der Erstellung von Altar,
Ambo, Osterleuchter und Kredenz.
Von der Künstlerin wurde ein Altar geschaffen, der
versucht mit Form und Material auf die vorhandenen Stilelemente zu
reagieren. Dies gelingt durch die klare Formensprache und die reduziert
geometrische Ornamentik.
„Ohne eine aktive Gemeinde wären diese
umfangreichen Maßnahmen nicht möglich gewesen“, sagt Pater Alfred
Tönnis. Viele Initiativen und eine Spende der Musik- und Tanzgruppe
Altheims machten die Freilegung der Fresken erst möglich. Die
renovierte Kirche schätzt Pater Alfred vor allem wegen ihrer lichten
Atmosphäre: „Im Kirchenraum versteckt sich nichts. Der Blick in der
Altarraum ist offen – und ebenso der Blick in die Gemeinde.“
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